adobe font lizenzAdobe Schriften sind eine schöne Sache: Sie sehen gut aus, sind perfekt für die Gestaltung von Print­produkten und das Beste:
Man kann sie auch für Internet­seiten verwenden. Zumindest bis Ende des Jahres...

Mit Beginn meiner Selbständig­keit musste ich in den sauren Apfel beißen und ein teures Adobe Abo für die Nutzung der Creative Cloud Appli­kationen abschließen. Zum Abo gehören auch diverse Schrift­arten, die Adobe Fonts  - früher Adobe Typekit genannt.

Da ich schöne Schrift­arten sehr mag, war ich wirklich begeistert von den Möglich­keiten, die mir die Adobe Fonts bieten.
Besonders gut gefällt mir, dass Flyer, Visiten­karten und Webseite mit der gleichen Schrift­art gestaltet werden können.
Ich habe die Fonts daher mit Begeisterung auch in Kunden­projekten eingesetzt.

Nur durch Zufall las ich nun kürzlich in den FAQs von Adobe folgenden Satz:

"Laut Nutzungs­bedingungen ist der Wieder­verkauf durch Agenturen bis zum 31. Dezember 2019 zulässig.
Danach benötigt Ihr Kunde ein eigenes Creative Cloud-Abonnement für das Hosten von Web-Schriftarten."

Da ich mir unsicher war, was mit "Wiederverkauf" gemeint war - ich nehme ja kein Geld dafür, dass ich Adobe Schriften verwende -  wandte ich mich vor zwei Wochen an den Adobe Support, um herauszufinden, was das nun eigentlich konkret bedeutet.

Dafür wählte ich die Möglichkeit des Chats, was sich allerdings als sehr mühsame Angelegenheit heraus­stellte.
Nach sage und schreibe siebzig Minuten war ich nämlich keinen Meter weiter...

Aber von vorne:

Das sagt Adobe zum Thema Adobe Font Lizenz ab 2020

Zunächst einmal war ich überrascht, dass der nette Kunden­berater von der Lizenz­änderung gar nichts wusste, sondern sich als erstes nach dem Link erkundigte. Ich hätte erwartet, dass das Thema gerade viele Menschen beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass Adobe die Änderung irgendwo in den FAQs versteckt anstatt Kunden mit ausreichendem Vorlauf zu informieren? Ich kann mich zumindest nicht dran erinnern, eine Info­mail bekommen zu haben.

Den Inhalt der Aussage erklärte er wie folgt: Es sei zwar weiterhin möglich, Webfonts in Kunden­projekten zu verwenden. Der Kunde dürfte die Inhalte aber nicht selbst verändern. Wenn er selbst Informationen hinzufügen wolle, dann müsste er entweder eine andere Schriftart verwenden oder aber ein eigenes Abo abschließen.

Auf meine Frage, ob es in Ordnung sei, Bereiche, die der Kunde gar nicht selbst verändern kann, mit Adobe Schriften zu gestalten, wusste der nette Herr auch keine Antwort.
Nach über einer Stunde Chat mit sehr langen Warte­zeiten verwies er mich an die Rechts­abteilung in München.

Eine Antwort habe ich von dort allerdings noch nicht bekommen..

[Update: 25.10.2019
Heute habe ich eine absolut nichtssagende Antwort von Adobe München bekommen. In der Mail erfahre ich, dass Adobe keinen Mail-Support anbietet, man mir aber ausnahmsweise antworten würde...
Großartig!

Auf meine eigentlichen Frage geht der Herr aus München allerdings auch nicht ein, sondern schreibt mir nur lapidar, dass Kunden eigene Lizenzen brauchen.

Ich weiß nun also immer noch nicht, ob bestimmte nicht-editierbare Bereiche mit Web­fonts gestaltet werden können.
Auch die Frage nach einem Bestands­schutz für bestehende Projekte wurde nicht beantwortet.]


Welches Abo sollen Kunden für das Hosting von Adobe Fonts abschließen?

Desweiteren interessierte mich die Frage, welches Abo meine Kunden abschließen sollen, wenn sie die Fonts weiter nutzen möchten. Auch hier wirkte der nette Herr vom Support etwas überfordert und schickte mir einfach nur einen Link auf die Creative Cloud Seite.

Erst nach mehrmaligem Nachfragen stellte sich heraus, dass das "große" Abo für 713,88€ pro Jahr wohl doch nicht nötig sei. Das wäre auch endgültig absurd.

Kund*innen sollen stattdessen ein Einzel­anwendungs-Abo für "nur" 29,99€ pro Monat abschließen.
Das Foto-Abo (Photoshop und Lightroom) für 11,89€ reicht nach Aussage des Supports nicht aus.

Aha.

Änderung der Nutzungs­bedingungen: Was folgt aus dieser Lizenz-Änderung?

Ich betreue als Webdesignerin überwiegend Einzel­unternehmer*innen und gemein­nützige Organisationen. Erste Umfragen im Kundenkreis führen zu ungläubigen Reaktionen, Ratlosigkeit und Kopfschütteln.
Niemand, wirklich niemand möchte 359,88€ im Jahr für die Nutzung einer Schriftart und eine ansonsten völlig nutzlose Anwendung  wie Indesign ausgeben.

Wenn Adobe die Änderung wirklich ernst meint, müssen auf diversen Seiten die Schriften getauscht werden, was natürlich mit Zeit und Arbeit verbunden ist. Da Flyer und Visitenkarten in der gleichen Schrift gestaltet sind, müssten auch diese irgendwann überarbeitet werden, denn natürlich wünschen sich die meisten Kund*innen einheitliche Infomaterialien.

Als Webdesignerin fühle mich absolut mies dabei, weil ich die Webfonts empfohlen habe!

Ich hoffe immer noch, dass Adobe diese wirklich kunden­unfreundliche Lösung zurücknimmt. Das Creative Cloud Abonnement ist weiß Gott teuer genug, gerade für Selbständige wie mich. Ein Teil dieses Angebots - die Adobe Fonts - könnte ich für Kunden­projekte aber gar nicht mehr nutzen, da die Kosten für meine Kund*innen viel zu hoch sind.

Sollte Adobe bei der Regelung bleiben, würde ich mir zumindest ein kosten­günstiges Adobe Font Abo wünschen.
360 Euro pro Jahr sind definitiv zu viel!

 

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