adobe font lizenzAdobe Schriften sind eine schöne Sache: Sie sehen gut aus, sind perfekt für die Gestaltung von Print­produkten und das Beste:
Man kann sie auch für Internet­seiten verwenden. Zumindest bis Ende des Jahres 2019...

Hier die Kurzzusammenfassung und Update vom Juni 2020:

Kunden, die auf ihren Webseiten Adobe Font nutztn möchten, benötigen seit dem 1. Januar 2020 ein eigenes Abo.
Laut der Aussage des Adobe Supports reicht dafür ein Abo für das Programm InCopy aus.
Dieses kostet aktuell 5,94€ pro Monat.

Der Weg zu dieser Info war lang...
Danke für diejenigen, die mir Tipps gegeben haben!

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Tschüss, Adobe Webfonts! War schön mit euch!

Beitrag vom 24.10.2019
Updates vom 25.10. und 19.12.2019 uns 22.06.2020 - die ergänzten Infos sind farbig markiert.

Mit Beginn meiner Selbständig­keit musste ich in den sauren Apfel beißen und ein teures Adobe Abo für die Nutzung der Creative Cloud Appli­kationen abschließen. Zum Abo gehören auch diverse Schrift­arten, die Adobe Fonts  - früher Adobe Typekit genannt.

Da ich schöne Schrift­arten sehr mag, war ich wirklich begeistert von den Möglich­keiten, die mir die Adobe Fonts bieten.
Besonders gut gefällt mir, dass Flyer, Visiten­karten und Webseite mit der gleichen Schrift­art gestaltet werden können.
Ich habe die Fonts daher mit Begeisterung auch in Kunden­projekten eingesetzt.

Nur durch Zufall las ich nun kürzlich in den FAQs von Adobe folgenden Satz:

"Laut Nutzungs­bedingungen ist der Wieder­verkauf durch Agenturen bis zum 31. Dezember 2019 zulässig.
Danach benötigt Ihr Kunde ein eigenes Creative Cloud-Abonnement für das Hosten von Web-Schriftarten."

Da ich mir unsicher war, was mit "Wiederverkauf" gemeint war - ich nehme ja kein Geld dafür, dass ich Adobe Schriften verwende -  wandte ich mich Mitte Oktober 2019 an den Adobe Support, um herauszufinden, was das nun eigentlich konkret bedeutet.

Dafür wählte ich die Möglichkeit des Chats, was sich allerdings als sehr mühsame Angelegenheit heraus­stellte.
Nach sage und schreibe siebzig Minuten war ich nämlich keinen Meter weiter...

Aber von vorne:

Das sagt Adobe zum Thema Adobe Font Lizenz ab 2020

Zunächst einmal war ich überrascht, dass der nette Kunden­berater von der Lizenz­änderung gar nichts wusste, sondern sich als erstes nach dem Link erkundigte. Ich hätte erwartet, dass das Thema gerade viele Menschen beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass Adobe die Änderung irgendwo in den FAQs versteckt anstatt Kunden mit ausreichendem Vorlauf zu informieren? Ich kann mich zumindest nicht dran erinnern, eine Info­mail bekommen zu haben.

Den Inhalt der Aussage erklärte er wie folgt: Es sei zwar weiterhin möglich, Webfonts in Kunden­projekten zu verwenden. Der Kunde dürfte die Inhalte aber nicht selbst verändern. Wenn er selbst Informationen hinzufügen wolle, dann müsste er entweder eine andere Schriftart verwenden oder aber ein eigenes Abo abschließen.

Auf meine Frage, ob es in Ordnung sei, Bereiche, die der Kunde gar nicht selbst verändern kann, mit Adobe Schriften zu gestalten, wusste der nette Herr auch keine Antwort. Nach über einer Stunde Chat mit sehr langen Warte­zeiten verwies er mich an die Rechts­abteilung in München.

[Update: 25.10.2019]
Heute habe ich eine absolut nichtssagende Antwort von Adobe München bekommen. In der Mail erfahre ich, dass Adobe keinen Mail-Support anbietet, man mir aber ausnahmsweise antworten würde...

Großartig!

Auf meine eigentlichen Frage geht der Herr aus München allerdings auch nicht ein, sondern schreibt mir nur lapidar, dass Kunden eigene Lizenzen brauchen.
Ich weiß nun also immer noch nicht, ob bestimmte nicht-editierbare Bereiche mit Web­fonts gestaltet werden können.
Auch die Frage nach einem Bestands­schutz für bestehende Projekte wurde nicht beantwortet und der Vorgang sofort als "geschlossen" gekennzeichnet.

[Update: 19.12.2019]
Nach weiteren Kontaktversuchen bekam ich Mitte November zwei weitere Mails von Adobe.

Die Frage nach dem Bestandsschutz beantwortete Adobe wie folgt:
"Ein Bestandsschutz für bestehende Projekte, die mit Adobe Fonts Schriften genutzt werden, besteht für das gesamte Jahr 2019.
Ab dem Jahr 2020 ist dieser Bestandsschutz nicht mehr vorhanden."


Die Frage, ob nicht-editierbare Bereiche mit Webfonts gestaltet werden könnten, wurde so beantwortet:
"Ein Kunde, muss die betreffenden Webseiten nicht editieren oder selbst bearbeiten.
Nur das verwendete Webkit muss unter der Adobe ID des Kunden hinterlegt sein."


Beide Antworten finde ich sehr unbefriedigend und irgendwie am Thema vorbei. :-)
Klar ist nun aber: Adobe meint das wirklich ernst!


Welches Abo sollen Kunden für das Hosting von Adobe Fonts abschließen?

Desweiteren interessierte mich die Frage, welches Abo meine Kunden abschließen sollen, wenn sie die Fonts weiter nutzen möchten. Auch hier wirkte der nette Herr vom Support etwas überfordert und schickte mir einfach nur einen Link auf die Creative Cloud Seite.

Erst nach mehrmaligem Nachfragen stellte sich heraus, dass das "große" Abo für 713,88€ pro Jahr wohl doch nicht nötig sei. Das wäre auch endgültig absurd.

Kund*innen sollen stattdessen ein Einzel­anwendungs-Abo für "nur" 23,79€ pro Monat abschließen.
Das Foto-Abo (Photoshop und Lightroom) für 11,89€ reicht nach Aussage des Supports nicht aus.

Die konkrete Nachfrage, ob ein InCopy-Abo für 5,94€ ausreichen würden, beantwortete der Ado-Support im Juni 2020 mit "ja".
Bedauerlich, dass der Kollege, den ich im Oktober 2019 befragte, dies anscheinend nicht wusste.

Änderung der Nutzungs­bedingungen: Was folgt aus dieser Lizenz-Änderung?

Ich betreue als Webdesignerin überwiegend Einzel­unternehmer*innen und gemein­nützige Organisationen. Erste Umfragen im Kundenkreis führen zu ungläubigen Reaktionen, Ratlosigkeit und Kopfschütteln.

Niemand, wirklich niemand möchte fast 300,-€ im Jahr für die Nutzung einer Schriftart und eine ansonsten völlig nutzlose Anwendung  wie InDesign ausgeben.

Update: Bei knapp 72€ im Jahr sieht es für manche Kunden vielleicht anders aus.

Wenn Adobe die Änderung wirklich ernst meint, müssen auf diversen Seiten die Schriften getauscht werden, was natürlich mit Zeit und Arbeit verbunden ist. Da Flyer und Visitenkarten in der gleichen Schrift gestaltet sind, müssten auch diese irgendwann überarbeitet werden, denn natürlich wünschen sich die meisten Kund*innen einheitliche Infomaterialien.

Als Webdesignerin fühle ich mich absolut mies dabei, weil ich die Webfonts empfohlen habe!

Gibt es Möglichkeitkeiten, sich zu wehren?

Ich weiß es nicht! In den aktuellen AGB wird darauf verwiesen, dass Kunden ab 01.01.2020 eigene Verträge brauchen.
Die AGB sind vom 15.10.2018. Ich habe InDesign exakt am 16.10.2018 gebucht und kann daher gar nichts machen.


Wie die alten AGB aussahen, weiß ich nicht. Auch hier konnte mir Adobe nicht weiterhelfen. (Im Chat wurde mir allen Ernstes geraten, doch mal im Forum zu fragen, ob jemand die alten AGB noch rumliegen hätte..)

Interessieren würde mich auch, ob Inhaber*innen alter Abo-Verträge über die Änderungen informiert wurden, denn meines Wissens müssen wesentliche Vertragsänderungen mitgeteilt werden.

Für mich ist das Thema leider durch. Ich werde Ende des Jahres alle Kundenprojekte überarbeiten, was wirklich traurig und ärgerlich ist.

Vielleicht überdenkt Adobe die Änderungen, wenn sich mehr Menschen beschweren.
Ich würde es mir sehr wünschen, denn wie ich eingangs schon sagte:
Eigentlich sind die Adobe Fonts eine wirklich schöne Sache...



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