Katrin Raabe
Webdesign & Fotografie

400 Midjourney ComputerschafMidjourney ist ein Programm für künstliche Intelligenz,
das aus Textbeschreibungen Bilder generiert.
Das macht Spaß - lässt aber viele Fragen offen.

Künstlich generierte Bilder sind ein echter Hype. Auch ich konnte nicht widerstehen und habe Midjourney ausprobiert.
Einen ausführlichen Erfahrungsbericht und Tipps zum Generieren realistischer Porträt findet ihr hier.

Midjourney - Faszination und Gruselfaktor zugleich

Nach wie vor bin ich hin- und hergerissen, ob und wie ich Midjourney nutzen möchte.
Der Spaßfaktor spricht dafür. Vieles spricht dagegen.

Ist Midjourney Kunst?

Midjourney eröffnet spannende Perpektiven. Insbesondere beim Thema "Composing" bietet Midjourney ganz neue Möglichkeiten. Fehlendes Bildmaterial lässt sich - mehr oder weniger einfach - generieren und in eigene Werke einbauen.

Allerdings wird zurecht die Frage gestellt, ob es sich bei KI-generierten Werken wirklich noch um "Kunst" handelt. Im August 2022 gewann das Bild "Théâtre D'opéra Spatial" den ersten Platz bei einem Kunstwettwerb auf der Colorado State Fair, was für Diskussionen und Unmut sorgte.

Erste Kunstportale verbieten daher KI-generierte Bilder.


Midjourney: Urheberrecht

Auch urheberrechtliche Fragen scheinen mir nicht wirklich geklärt. Midjourney verwendet für die Generierung bestehendes Bildmaterial von Personen und Kunstschaffenden. Ich habe zum Beispiel die Möglichkeit, ein Porträt von Scarlett Johansson im Stil von Vincent van Gogh oder den Gibli Studios generieren zu lassen. Ohne, dass irgendjemand dieser Verwendung zugestimmt hat. Ist das Kunst oder einfach ein Verstoß gegen das Urheberrecht? Kann ich als abgebildete Person oder als Fotografin und Künstlerin klagen, wenn meine Bilder von Midjourney verwendet werden?

Der Digitalkünster Greg Rutkowski macht sich genau darüber Gedanken: www.heise.de/hintergrund/Wie-sich-Kuenstler-gegen-die-Nutzung-ihrer-Bilder-als-KI-Vorlagen-wehren.


Datenschutz

Und wie finde ich heraus, mit welchen Daten die KI eigentlich trainiert wird? Eine KI-Künstlerin aus Kalifornien entdeckte vor wenigen Tagen, dass Fotos ihrer Krankenakte illegalerweise in einem KI-Traingssatz verwendet wurden. Dies ist über die Seite www.haveibeentrained.com möglich.Ein eklatanter Datenschutzvorfall.


Manipulation

Erschreckend sind auch die Manipulationsmöglichkeiten, die solche Fakebilder bieten - insbesondere auch bei manipuliertem Videomaterial, sogenannten "Deepfakes".


Diskriminierung in der Midjourney-Welt

Man sollte ebenfalls nicht aus den Augen verlieren, dass Künstliche Intelligenz durch fehlerhafte Daten die Diskriminierung von bestimmten Personengruppen verstärken kann. Der Befehl "most attractive man in the world" generierte in meinem persönlichen Test nur weiße Männer. (Längere Versuchsreihen habe ich aufgrund der Kosten allerdings nicht gemacht.)

Auch mein Versuch, eine märchenhafte Szene mit einer jungen Frau mit Down-Syndrom zu erschaffen, scheiterte. Ich bekam die Fehlermeldung, das Wort "Down Syndrome" sei blockiert. Diese Blockierung mag diskreditierende Darstellungen von Menschen mit Down-Syndrom verhindern. Sie führt aber aber auch dazu, dass Menschen mit Down-Syndrom in der phantasievollen und bunten Welt von Midjourney gar nicht erst auftauchen.


Suchtpotential

Ein weitere Punkt, der mich beschäftigt, ist das offensichtlich Suchtpotential von Midjourney. Das Generieren von Bildern macht extrem viel Spaß - es macht aber auch kontinuierlich Lust auf mehr. Viele Bilder fallen anders aus als man es sich vorgestellt hat und die Versuchung, immer wieder auf's Knöpfchen zu drücken, ist groß. Gelungene Bilder machen Lust auf neue Motive.
In der kostenlosen Version sind die 25 Bilder schnell verbraucht. Im "Basis-Abo" hat man etwa 200 Versuche pro Monat, die man ebenfalls locker verbraucht, wenn man verschiedene Projekte startet und ausprobiert. Die Versuchung, das teure Abo für 30 Dollar im Monat abzuschließen, ist folglich groß und in diesem Paket gibt es keinerlei Begrenzung mehr.


Stromverbrauch

Ein letzter Punkt, der mich beim Generieren beschäftigte: Wie sieht es eigentlich mit dem Stromverbrauch aus? Vielen ist der globale Stromverbrauch durch die Nutzung des Internets nicht unbedingt bewusst. Insbesondere Streamingdienste sind alles andere als nachhaltig. Zum Stromverbrauch von Midjourney & Co konnte ich bislang keine Zahlen finde - werde aber berichten sobald ich mehr weiß.

Mein Fazit: Ich habe noch keins. :-))
Aktuell halten sich Faszination und Skepsis noch die Waage.
Mal schauen, wohin die Reise gehen wird.

Midjourney Computerschaf 

 

Hat dir dieser Blogbeitrag gefallen?
Dann folge mir doch gerne auf Instagram, wo ich regelmäßig über meine Projekte berichte.